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Fieber bei Kindern: Was wirklich hilft und wann du zum Arzt musst

Veröffentlicht

07.07.2026

Fieber bei Kindern: Was wirklich hilft und wann du zum Arzt musst

Es ist 22 Uhr, dein Kind liegt heiß und kuschelig an dir, die Wangen leuchten und das Thermometer zeigt 39,2 °C. Dein Herz macht einen kleinen Sprung. Soll ich jetzt ein Zäpfchen geben? Reicht ein Wickel? Muss ich noch in die Notaufnahme? Diese Fragen kennen Mamis und Papis weltweit, und du bist mit dieser Unsicherheit nicht allein.

Die gute Nachricht zuerst: Fieber ist keine Krankheit, sondern ein Zeichen, dass der kleine Körper genau das tut, was er soll. Er wehrt sich. Die meisten Infekte mit Fieber gehören zur ganz normalen Entwicklung eines Kindes dazu, und in den allermeisten Fällen ist Fieber bei vorher gesunden Kindern nicht gefährlich.

Dieser Ratgeber nimmt dir die wichtigsten Entscheidungen ab. Du erfährst, ab wann man überhaupt von Fieber spricht, was du zu Hause tun kannst, wann ein Medikament wirklich Sinn ergibt und an welchen Warnzeichen du erkennst, dass jetzt ärztlicher Rat dran ist. Alles auf Basis der aktuellen Leitlinie deutscher Kinder- und Jugendärztinnen, ohne Panikmache.

Kurz gesagt: Fieber bei Kindern (ab 38,5 °C, unter 3 Monaten ab 38 °C) ist meist eine sinnvolle Abwehrreaktion und muss nicht sofort gesenkt werden. Gib deinem Kind viel Ruhe und Flüssigkeit. Ein fiebersenkendes Mittel ist erst dann sinnvoll, wenn dein Kind Schmerzen hat oder sich sichtbar schlecht fühlt, nicht wegen einer bestimmten Zahl auf dem Thermometer.

Das Wichtigste in Kürze

Ab wann hat mein Kind Fieber?

Nicht jede warme Stirn ist gleich Fieber. Bei Kindern und Jugendlichen spricht man ab einer Körpertemperatur von 38,5 °C von Fieber. Eine leicht erhöhte Temperatur zwischen 37,6 und 38,4 °C ist oft nur ein Zeichen, dass der Körper arbeitet, etwa nach Toben, Aufregung oder beim Zahnen.

Bei den ganz Kleinen gelten strengere Grenzen. Säuglinge unter 3 Monaten haben schon ab 38,0 °C Fieber, und hier solltest du immer ärztlichen Rat einholen. Von hohem Fieber spricht man ab 39 °C.

Zur Orientierung: Eine Temperatur von 36,5 bis 37,5 °C ist normal, 37,6 bis 38,4 °C gelten als leicht erhöht. Ab 38,5 °C ist es Fieber, bei Babys unter 3 Monaten schon ab 38,0 °C, und ab 39 °C spricht man von hohem Fieber.

Wichtig zu wissen: Eine hohe Zahl allein sagt nichts darüber aus, wie krank dein Kind wirklich ist. Manche Kinder spielen bei 39 °C noch fröhlich, andere wirken schon bei 38,5 °C richtig schlapp. Schau deshalb immer auf dein Kind als Ganzes und nicht allein auf das Thermometer.

Fieber bei Kindern (1)

Richtig Fieber messen: So bekommst du verlässliche Werte

Nicht jedes Thermometer ist gleich genau, und es kommt auf das Alter deines Kindes an. Bei Neugeborenen und Säuglingen misst du am verlässlichsten im Po mit einem Digitalthermometer. Mach die Spitze vorher mit etwas Creme gleitfähig und führe sie nur ein bis zwei Zentimeter ein. Diese Messung ist etwas unbeliebt, liefert aber die genauesten Werte, und gerade bei den Kleinsten zählt jedes halbe Grad.

Bei größeren Kindern und Jugendlichen reicht in den meisten Fällen eine Messung im Ohr mit einem Trommelfellthermometer. Alternativ kannst du bei älteren Kindern unter der Zunge messen. Stirn- und Schläfenthermometer sind bequem, aber etwas ungenauer. Die Messung unter der Achsel ist in jedem Alter unzuverlässig und nicht zu empfehlen.

Ein praktischer Tipp aus dem Eltern-Alltag: Miss möglichst in einer ruhigen Phase, nicht direkt nach dem Toben oder dem heißen Bad. Vergleiche Werte am besten immer mit demselben Gerät an derselben Stelle, dann erkennst du Veränderungen leichter.

Was du zu Hause tun kannst (auch ganz ohne Medikament)

Das Wichtigste, was dein fieberndes Kind braucht, klingt fast zu einfach: liebevolle Zuwendung, Ruhe und Sicherheit. Sorg für ungestörten Schlaf und biete regelmäßig kleine Schlucke zu trinken an. Beim Fieber verliert der Körper mehr Flüssigkeit, deshalb ist genug Trinken wichtiger als jedes Zäpfchen.

Richte dich beim An- und Zudecken nach dem Empfinden deines Kindes. Im Fieberanstieg friert es oft, hat kühle Hände und Füße oder sogar Schüttelfrost. Dann darf es warm zugedeckt sein. Sobald es sich heiß anfühlt, schwitzt und ihm zu warm wird, deckst du es leichter zu. Kühlen oder eine kalte Umgebung sind nicht ratsam, wenn dein Kind das als unangenehm empfindet.

Wadenwickel kannst du anwenden, wenn dein Kind sich unwohl fühlt und Hände und Füße warm sind, also im sogenannten Fieberplateau. Die Wickel sollten körperwarm sein, damit der Körper nicht erneut zum Aufheizen angeregt wird. Ob sie das Fieber wirklich messbar senken, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Als angenehme, beruhigende Maßnahme sind sie aber in Ordnung, solange dein Kind sie mag.

Fieber bei Kindern (2)

Braucht mein Kind ein fiebersenkendes Medikament?

Hier liegt das größte Missverständnis. Normalerweise gibt es keine Notwendigkeit, eine hohe Temperatur zu senken. Ein fiebersenkendes Mittel ist erst dann sinnvoll, wenn dein Kind Schmerzen hat oder sich sichtbar schlecht fühlt, und nicht, weil das Thermometer eine bestimmte Zahl zeigt. Du behandelst also dein Kind, nicht die Zahl.

Geeignet sind Ibuprofen und Paracetamol, jeweils als Zäpfchen, Saft oder Tropfen. Ibuprofen ist erst ab einem Alter von 3 Monaten zugelassen. Gib das Mittel nur so lange, bis es deinem Kind wieder besser geht. Entscheidend ist die richtige Menge, abgestimmt auf Gewicht und Alter. Halte dich genau an den Beipackzettel und die Angaben deiner Kinderärztin oder Apotheke.

Eine Sache ist absolut wichtig: Acetylsalicylsäure (zum Beispiel Aspirin) darf Kindern nicht gegeben werden. Sie kann in seltenen Fällen das gefährliche Reye-Syndrom auslösen, eine schwere Erkrankung von Leber und Gehirn. Greif bei Kindern also nie zur Hausapotheke der Erwachsenen.

Und noch eine Entlastung: Fiebersenkende Mittel verhindern keinen Fieberkrampf, das zeigen Studien klar. Du musst deinem Kind also kein Medikament geben, um einem Krampf vorzubeugen.

WirkstoffAb welchem AlterMaximale EinzeldosisDosen pro Tag
Ibuprofenab 3 Monaten7 bis 10 mg pro kg Körpergewichthöchstens 4
Paracetamolauch bei Säuglingen (nach Rücksprache)10 bis 15 mg pro kg Körpergewicht4 bis 6
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Fieberkrampf: erschreckend, aber meist harmlos

Ein Fieberkrampf gehört zum Schlimmsten, was Eltern erleben können, und gleichzeitig ist er meistens harmloser, als er aussieht. Etwa drei bis fünf von hundert Kindern bekommen im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren einen solchen Krampf, oft beim schnellen Fieberanstieg. Das Kind verdreht die Augen, wird steif oder schlaff, zuckt vielleicht und ist kurz nicht ansprechbar.

Was du tun kannst: Bleib so ruhig wie möglich. Leg dein Kind in eine stabile Seitenlage, polstere harte Gegenstände in der Nähe ab und schau auf die Uhr, um die Dauer zu erfassen. Gib nichts zu trinken oder zu essen und halte dein Kind nicht fest. Die meisten Krämpfe hören nach wenigen Minuten von selbst wieder auf und hinterlassen keine Schäden.

Trotzdem gilt: Jeder erste Fieberkrampf gehört ärztlich oder notärztlich abgeklärt. Wähle im Zweifel die 112. Auch wenn dein Kind den Krampf danach scheinbar gut wegsteckt, lass dir Sicherheit von einer Ärztin geben.

Wann Antibiotika nichts bringen

Viele Eltern hoffen bei hohem Fieber auf ein Antibiotikum, das schnell hilft. Doch Fieber an sich ist kein Grund für ein Antibiotikum. Die allermeisten Infekte bei Kindern werden durch Viren ausgelöst, und gegen Viren wirken Antibiotika überhaupt nicht.

Antibiotika sind wichtig und richtig bei schweren bakteriellen Infektionen, die eine Ärztin gezielt feststellt. Werden sie unnötig gegeben, überwiegen die Nachteile: Nebenwirkungen für dein Kind und die Förderung von Resistenzen, die uns alle betreffen. Ob ein Antibiotikum nötig ist, entscheidet deshalb immer die behandelnde Ärztin, niemals das Fieber allein.

Genauso wenig brauchst du vorsorglich ein fiebersenkendes Mittel nach einer Impfung. Fieber nach dem Impfen ist eine normale Reaktion und zeigt, dass das Immunsystem auf den Impfstoff anspringt. Nur wenn dein Kind danach Schmerzen oder Unwohlsein hat, darfst du behandeln.

Wann du mit deinem Kind zum Arzt solltest

Vertrau bei Fieber vor allem deinem Bauchgefühl. Niemand kennt dein Kind besser als du. Hol ärztlichen Rat immer dann, wenn eines dieser Warnzeichen auftritt oder du einfach unsicher bist.

Außerhalb der Praxiszeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst deutschlandweit unter 116 117. Im Notfall wählst du die 112. Und ganz wichtig: Wann immer du dir große Sorgen machst, ist das Grund genug, ärztlichen Rat einzuholen. Lieber einmal zu oft fragen als einmal zu wenig.

Häufige Fragen zu Fieber bei Kindern

Es gibt keine feste Grenze, ab der du senken musst. Entscheidend ist nicht die Zahl auf dem Thermometer, sondern wie es deinem Kind geht. Fühlt es sich trotz 39 °C noch wohl, spielt und trinkt, braucht es meist gar kein Medikament. Ein fiebersenkendes Mittel ist erst dann sinnvoll, wenn dein Kind Schmerzen hat oder sich sichtbar schlecht fühlt. Du behandelst also das Wohlbefinden, nicht das Fieber selbst.

Bei vorher gesunden Kindern ist Fieber an sich nicht schädlich, auch wenn es hoch ist. Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage dafür, dass Fieber bei gesunden Kindern das Gehirn oder andere Organe schädigt. Der Körper regelt die Temperatur selbst und hält sie in einem sicheren Bereich. Wichtiger als die Höhe des Fiebers ist der Allgemeinzustand deines Kindes und ob Warnzeichen auftreten. Bei Sorgen oder Auffälligkeiten hol dir immer ärztlichen Rat.

Grundsätzlich ist ein Wechsel zwischen den beiden Mitteln möglich, da beide auch gegen Schmerzen wirken. Oft reicht aber ein einziges Mittel völlig aus. Wenn sich der Zustand deines Kindes trotz eines Medikaments verschlechtert oder es weiter Schmerzen hat, solltest du nicht einfach kombinieren, sondern mit deiner Ärztin oder deinem Arzt Kontakt aufnehmen. Halte dich immer genau an die maximalen Mengen laut Beipackzettel.

Bei Fieber verliert der Körper mehr Flüssigkeit, deshalb ist regelmäßiges Trinken besonders wichtig. Biete deinem Kind häufig kleine Mengen an, statt es zu großen Mengen zu drängen. Geeignet sind Wasser, ungesüßter Tee oder verdünnte Säfte, bei Babys die gewohnte Milch. Ein gutes Zeichen ist, dass dein Kind regelmäßig Wasser lässt. Wenn es über zwölf Stunden gar nicht mehr nass wird, ist das ein Warnzeichen für Austrocknung und ein Grund für ärztlichen Rat.

Acetylsalicylsäure, wie sie zum Beispiel in Aspirin steckt, darf Kindern nicht gegeben werden. Sie kann in seltenen Fällen das sogenannte Reye-Syndrom auslösen, eine schwere Erkrankung von Leber und Gehirn. Für Kinder geeignet sind stattdessen Paracetamol und Ibuprofen in der richtigen, ans Gewicht angepassten Menge. Greif bei deinem Kind also nie zur Schmerztablette aus der Erwachsenen-Hausapotheke und frag im Zweifel in der Apotheke nach.

Gib deinem Kind genügend Zeit zur Erholung, das stärkt es auch längerfristig. Als Faustregel sollte dein Kind mindestens einen ganzen Tag wieder fit und fieberfrei sein, bevor es zurück in Kindergarten oder Schule geht. So vermeidest du, dass ein noch nicht ausgeheilter Infekt sofort wieder aufflammt. Wirkt dein Kind noch matt und kraftlos, darf es ruhig einen Tag länger zu Hause bleiben.

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Quellen

Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Unsicherheit oder Warnzeichen wende dich bitte an deine Kinderärztin, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder im Notfall an die 112. Stand: Juni 2026.