Der bunte Becher steht seit dem Frühstück voll auf dem Tisch, und dein Kind ist längst beim dritten Bauklotz-Turm. Trinken? Fehlanzeige. Vielleicht kennst du diesen kleinen Stich, wenn du am Nachmittag merkst, dass heute kaum etwas in den Mund gewandert ist, und du dich fragst, ob das schon zu wenig war.
Du bist mit dieser Frage absolut nicht allein. Fast alle Eltern grübeln irgendwann, ob ihr Kind genug trinkt, und kaum jemand hat die genauen Mengen im Kopf. Die gute Nachricht: Es gibt klare Richtwerte von Fachgesellschaften, und gleichzeitig viel mehr Spielraum, als die Sorge oft glauben lässt.
Hier bekommst du beides. Die offiziellen Mengen nach Alter in einer Tabelle, eine ehrliche Einordnung, welche Getränke wirklich taugen, und entspannte Tricks für kleine Trinkmuffel. Damit der volle Becher am Abend nicht mehr für schlechtes Gewissen sorgt.
Kurz gesagt: Wie viel ein Kind trinken sollte, hängt vom Alter ab. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt als Richtwert für die Getränkemenge rund 820 ml pro Tag für Kinder von 1 bis 3 Jahren, etwa 940 ml für 4- bis 6-Jährige und ungefähr 970 ml für 7- bis 9-Jährige. An heißen Tagen und beim Toben darf es deutlich mehr sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Richtwert nach DGE: rund 820 ml (1 bis 3 Jahre), 940 ml (4 bis 6 Jahre), 970 ml (7 bis 9 Jahre), 1170 ml (10 bis 12 Jahre).
- Wasser und ungesüßter Tee sind die besten Durstlöscher. Milch und Saft zählen als Lebensmittel, nicht als Getränk.
- Bei Hitze, Fieber, Sport oder Durchfall steigt der Bedarf spürbar. Dann öfter etwas anbieten.
- Volle Stillkinder und Flaschenbabys brauchen in den ersten Monaten meist keine zusätzliche Flüssigkeit.
- Schwankungen sind völlig normal. Wichtiger als die exakte Milliliterzahl ist, dass dein Kind regelmäßig trinkt.
- Warnzeichen wie trockener Mund, kaum nasse Windeln oder Teilnahmslosigkeit gehören schnell ärztlich abgeklärt.
So viel sollte dein Kind pro Tag trinken (Tabelle nach Alter)
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt Richtwerte für die Wasserzufuhr durch Getränke an. Das ist die Menge, die dein Kind über das eigentliche Trinken aufnehmen sollte. Zusätzlich steckt Flüssigkeit auch in fester Nahrung wie Obst, Gemüse oder Suppe, die hier noch gar nicht eingerechnet ist. Bei Säuglingen meint der Wert die gesamten Getränke inklusive Milch und greift erst mit der Beikost. Voll gestillte oder mit Flasche ernährte Babys brauchen in den ersten Monaten kein zusätzliches Wasser, mehr dazu weiter unten.
Wichtig zum Einordnen: Das sind Durchschnitts- und Richtwerte für normale Bedingungen, keine starren Tagesziele. An einem heißen Sommertag, beim wilden Toben oder wenn dein Kind Fieber hat, liegt der Bedarf deutlich höher. Ein Becher fasst meist 150 bis 200 ml, das hilft beim groben Überschlagen im Alltag.
| Alter | Richtwert Getränke pro Tag | ungefähr in Bechern (à 200 ml) |
|---|---|---|
| 4 bis 12 Monate (Gesamtgetränke inkl. Milch) | ca. 400 ml | rund 2 Becher |
| 1 bis 3 Jahre | ca. 820 ml | rund 4 Becher |
| 4 bis 6 Jahre | ca. 940 ml | rund 5 Becher |
| 7 bis 9 Jahre | ca. 970 ml | rund 5 Becher |
| 10 bis 12 Jahre | ca. 1170 ml | rund 6 Becher |
| 13 bis 14 Jahre | ca. 1330 ml | rund 7 Becher |

Was im ersten Lebensjahr gilt: Brauchen Babys extra Wasser?
Bei Babys ticken die Regeln anders, und das verunsichert viele frische Eltern. Solange dein Baby voll gestillt wird oder Säuglingsmilch aus der Flasche bekommt, braucht es laut kindergesundheit-info.de der BZgA in den ersten vier bis sechs Monaten keine zusätzliche Flüssigkeit. Die Milch deckt den Bedarf vollständig.
Erst wenn die dritte Breimahlzeit eingeführt ist, meist zwischen dem siebten und neunten Monat, kommt zusätzliches Trinken dazu. Anfangs reicht etwa ein Becher, also rund 200 ml am Tag. Ist die Umstellung auf Familienkost abgeschlossen, liegt die tägliche Trinkmenge zu den Mahlzeiten und zwischendurch zusammen bei etwa 600 bis 700 ml.
Eine Ausnahme bleibt wichtig: Bei großer Hitze, Fieber oder Durchfall solltest du Stillkinder häufiger anlegen und Flaschenkindern öfter die Flasche anbieten. Babys trocknen schneller aus als größere Kinder, deshalb lohnt hier ein wacher Blick.
Wasser, Tee, Saft, Milch: Was wirklich in den Becher gehört
Die einfachste Faustregel macht dir das Leben leicht: Wasser ist der beste Durstlöscher. Leitungswasser oder Mineralwasser sind erste Wahl, dazu eignen sich ungesüßte Kräuter- und Früchtetees. Diese Getränke darf dein Kind über den Tag verteilt immer wieder bekommen, ohne dass du auf die Menge achten musst.
Saft und Milch fallen aus dieser Reihe heraus. Beide zählen ernährungsphysiologisch als Lebensmittel und nicht als Durstlöscher. Milch enthält viel Energie, Eiweiß und Kalzium, die Verbraucherzentrale empfiehlt drei Portionen Milch oder Milchprodukte am Tag als Teil der Mahlzeiten, nicht zum Löschen von Durst. Reinen Saft bietest du am besten stark verdünnt als Schorle an, im Verhältnis etwa ein Teil Saft auf drei Teile Wasser.
Was nicht in den Kinderbecher gehört: gesüßte Limonaden, Eistee, Fruchtsaftgetränke und Nektare, koffeinhaltige Getränke wie Cola und Energydrinks sowie Getränke mit Süßstoffen. Vor allem das ständige Nuckeln an zucker- oder säurehaltigen Getränken belastet die Zähne stark und fördert Karies.
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Wenn dein Kind zu wenig trinkt: entspannte Tricks, die wirklich helfen
Kinder vergessen das Trinken schlicht, weil Spielen viel spannender ist. Das ist normal und kein Erziehungsversagen. Statt zu drängeln hilft es, das Trinken leichter und nebenbei möglich zu machen. Stell den Becher dorthin, wo dein Kind gerade spielt, und biete zu jeder Mahlzeit etwas an. Über feste kleine Trinkpausen läuft vieles wie von selbst.
Auch die Verpackung zählt. Ein Lieblingsbecher, ein lustiger Strohhalm oder ein paar Beeren im Wasser machen aus Trinken plötzlich etwas Schönes. Kinder lernen außerdem stark über Nachahmung: Wenn du selbst sichtbar zum Wasserglas greifst, zieht dein Kind oft mit. Bei größeren Kindern hilft eine eigene Trinkflasche, die mit in den Kindergarten oder die Schule wandert.
Versuch, den Druck rauszunehmen. Schwankungen von Tag zu Tag gehören dazu, und kein Kind trinkt jeden Tag exakt gleich viel. Solange dein Kind wach, fröhlich und aktiv ist und regelmäßig die Windel nass macht oder zur Toilette geht, ist meist alles in Ordnung.
Mehr trinken bei Hitze, Sport und Krankheit
Die Richtwerte aus der Tabelle gelten für normale Tage. Sobald dein Kind schwitzt, steigt der Bedarf, manchmal deutlich. An Hitzetagen, beim Sport oder beim stundenlangen Toben auf dem Spielplatz darf und soll dein Kind mehr trinken als sonst. Biete dann von dir aus häufiger etwas an, weil der Durst gerade bei jüngeren Kindern oft zu spät kommt.
Bei Krankheit verschiebt sich die Lage noch einmal. Fieber, Erbrechen und Durchfall entziehen dem Körper viel Flüssigkeit in kurzer Zeit. Hier geht es nicht mehr um die schöne Tabelle, sondern darum, dass dein Kind überhaupt regelmäßig kleine Mengen zu sich nimmt. Oft klappen kleine Schlucke aus dem Löffel oder einer Spritze besser als ein voller Becher.
Falls dein Kind krankheitsbedingt kaum noch trinkt oder Getränke nicht bei sich behält, warte nicht zu lange mit dem Anruf in der Kinderarztpraxis. Gerade Babys und Kleinkinder reagieren empfindlich auf Flüssigkeitsverlust.
Vom Nuckeln zum Becher: gute Trinkgewohnheiten aufbauen
Ab etwa neun Monaten ist es sinnvoll, dass dein Kind das Trinken aus einem offenen Becher oder einer Tasse lernt. Das schützt die Zähne, denn dauerhaftes Nuckeln an einer Flasche mit Saft oder gesüßtem Tee gilt als einer der häufigsten Gründe für frühe Karies bei kleinen Kindern.
Am Anfang ist das natürlich eine Kleckerei, und das gehört dazu. Ein Lätzchen, ein Tuch und etwas Geduld reichen völlig. Trinklernbecher mit weichem Aufsatz können den Übergang erleichtern, der offene Becher bleibt aber das Ziel. Die Flasche zum Einschlafen solltest du möglichst früh weglassen.
Wenn Wasser von klein auf das selbstverständliche Alltagsgetränk ist, bleibt es das meist auch später. Du legst hier ganz nebenbei eine Gewohnheit an, von der dein Kind jahrelang profitiert, ohne dass du es jeden Tag aktiv steuern musst.
Wann du ärztlichen Rat holen solltest
Die meisten Trinkfragen klären sich im Alltag von allein. Es gibt aber Situationen, in denen du dein Kind lieber ärztlich abklären lassen solltest, statt abzuwarten.
- Dein Kind behält Flüssigkeit nicht bei sich, zum Beispiel durch wiederholtes Erbrechen.
- Die Windeln bleiben über viele Stunden trocken oder dein Kind geht deutlich seltener zur Toilette als sonst.
- Du bemerkst trockenen Mund, tief liegende Augen, beim Baby eine eingesunkene Fontanelle oder fehlende Tränen beim Weinen.
- Dein Kind wirkt auffällig schlapp, teilnahmslos oder schwer weckbar.
- Anhaltendes hohes Fieber, starker Durchfall oder Erbrechen, besonders bei Babys und Kleinkindern.
Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu früh in der Kinderarztpraxis anrufen als zu spät. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung und dient nur deiner Orientierung.
Häufige Fragen zu Wie viel sollte ein Kind trinken
Für Kinder von 1 bis 3 Jahren gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung einen Richtwert von rund 820 ml Getränke pro Tag an, also ungefähr vier Becher. Bei Hitze, Fieber oder viel Bewegung darf es mehr sein. Wichtiger als die exakte Zahl ist, dass dein Kind über den Tag verteilt regelmäßig etwas trinkt, am besten Wasser oder ungesüßten Tee. Tägliche Schwankungen sind dabei völlig normal.
Voll gestillte Babys und Flaschenkinder brauchen in den ersten vier bis sechs Monaten keine zusätzliche Flüssigkeit, die Milch reicht aus. Wasser kommt meist mit der dritten Breimahlzeit dazu, also etwa zwischen dem siebten und neunten Monat. Anfangs genügt rund ein Becher am Tag. Eine Ausnahme: Bei großer Hitze, Fieber oder Durchfall solltest du auch jüngeren Babys nach Rücksprache mehr Flüssigkeit anbieten.
Milch zählt ernährungsphysiologisch zu den Lebensmitteln und nicht zu den Durstlöschern. Sie liefert viel Energie, Eiweiß und Kalzium und gehört deshalb zu den Mahlzeiten oder als Zwischenmahlzeit dazu. Die Verbraucherzentrale empfiehlt etwa drei Portionen Milch oder Milchprodukte am Tag. Zum Stillen des Dursts über den Tag bleiben aber Wasser und ungesüßter Tee die richtige Wahl.
Reiner Saft ist kein Durstlöscher, denn er enthält viel Fruchtzucker und Säure, die den Zähnen schaden und schnell Kalorien liefern. Wenn dein Kind Saft mag, bietest du ihn am besten stark verdünnt als Schorle an, etwa ein Teil Saft auf drei Teile Wasser. Eine kleine Saftschorle am Tag ist in Ordnung. Als Standardgetränk eignet sich Saft jedoch nicht, auch nicht als 100-Prozent-Variante ohne Zuckerzusatz.
Achte auf trockene Lippen, einen trockenen Mund, deutlich seltener nasse Windeln oder Toilettengänge und auffällige Müdigkeit. Bei Babys können tief liegende Augen, fehlende Tränen oder eine eingesunkene Fontanelle Warnzeichen sein. Solange dein Kind wach, fröhlich und aktiv ist und regelmäßig Urin abgibt, ist meist alles gut. Bei deutlichen Anzeichen, vor allem mit Fieber oder Durchfall, klär die Lage zügig in der Kinderarztpraxis.
Mach das Trinken leicht und nebenbei möglich, statt es einzufordern. Stell den Becher dorthin, wo dein Kind spielt, biete zu jeder Mahlzeit etwas an und sorge für feste kleine Trinkpausen. Ein Lieblingsbecher, ein Strohhalm oder ein paar Beeren im Wasser wirken oft Wunder. Kinder ahmen außerdem nach: Wenn du selbst sichtbar Wasser trinkst, zieht dein Kind häufig mit.
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Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Referenzwerte für die Wasserzufuhr
- BZgA / kindergesundheit-info.de, Trinken und Getränke (1 bis 6 Jahre)
- BZgA / kindergesundheit-info.de, Getränke im ersten Lebensjahr
- Gesund ins Leben / Netzwerk Junge Familie, Handlungsempfehlungen Getränke im Kleinkindalter
- Verbraucherzentrale, Milch und Milchprodukte für Kinder
- MSD Manual Ausgabe für Patienten, Dehydratation bei Kindern
Die genannten Richtwerte und Empfehlungen entsprechen den Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und der BZgA. Stand: Juni 2026.