Es ist dieser Moment kurz nach der Geburt, in dem dir klar wird, dass dieses kleine Wesen irgendwann einen Führerschein, eine erste eigene Wohnung oder ein Studium vor sich hat. Und mitten in der Müdigkeit fragst du dich: Sollte ich da nicht schon mal anfangen zu sparen? Die gute Nachricht vorweg, du musst dafür kein Finanzprofi sein und auch keine großen Summen stemmen.
Viele Eltern schieben das Thema vor sich her, weil es kompliziert und nach Kleingedrucktem klingt. Dabei sind die wirklich sinnvollen Wege überschaubar, und der wichtigste Hebel kostet dich keinen Cent extra: Zeit. Wer früh startet, lässt den Zinseszins für sich arbeiten, statt sich später abzustrampeln.
In diesem Ratgeber bekommst du den Überblick, der dir in vielen Bankprospekten fehlt. Welche Sparform passt zu welchem Ziel, welche Steuerfreibeträge dein Kind ganz selbstverständlich hat und welche teuren Produkte du dir getrost sparen kannst. Alles mit aktuellen Zahlen und ehrlich eingeordnet.
Kurz gesagt: Sparen fürs Kind gelingt am besten mit zwei Bausteinen: einem Tagesgeldkonto für kurzfristige Ziele und einem ETF-Sparplan im Juniordepot fürs lange Sparen über zehn Jahre und mehr. Schon kleine Beträge ab der Geburt wachsen durch den Zinseszins über die Jahre kräftig an. Teure Ausbildungsversicherungen brauchst du dafür nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Früh anfangen zahlt sich aus: Je länger das Geld liegt, desto stärker wirkt der Zinseszins.
- Für kurzfristige Ziele eignen sich Tagesgeld und Festgeld, fürs lange Sparen ein weltweiter ETF-Sparplan. Die genauen Zinsen schwanken, vergleiche vor Abschluss aktuelle Angebote.
- Finanztip rechnet bei einem breit gestreuten Aktien-ETF langfristig mit etwa 6 Prozent Rendite pro Jahr.
- Jedes Kind hat einen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr, dazu den Grundfreibetrag von 12.348 Euro (Stand 2026).
- Geld auf den Namen des Kindes gehört rechtlich dem Kind und steht ihm ab 18 frei zur Verfügung.
- Von Ausbildungsversicherungen, Bausparverträgen und Goldsparplänen rät die Verbraucherzentrale beim Sparen fürs Kind ab.
Warum sich früh anfangen wirklich lohnt
Der größte Vorteil beim Sparen fürs Kind ist nichts Kompliziertes, sondern schlicht die Zeit. Über viele Jahre wachsen deine Einzahlungen, und die bereits erzielten Erträge erwirtschaften selbst wieder Erträge. Diesen Schneeballeffekt nennt man Zinseszins, und er entfaltet seine Wirkung erst über lange Zeiträume richtig.
Ein Beispiel von Finanztip macht das greifbar: Bei einer monatlichen Sparrate von 150 Euro über 18 Jahre kommst du mit zwei Prozent Rendite auf rund 38.960 Euro brutto. Steckst du dasselbe Geld in einen weltweiten Aktien-ETF mit etwa sechs Prozent durchschnittlicher Rendite, sind es rund 57.420 Euro. Der Unterschied ist allein die Anlageform und die Zeit.
Du musst dafür nicht bei null bei der Geburt loslegen und auch keine 150 Euro im Monat aufbringen. Schon 25 oder 50 Euro regelmäßig sind ein guter Start. Entscheidend ist weniger die Höhe als die Regelmäßigkeit und der frühe Beginn.

Sichere Konten: Tagesgeld, Festgeld und das Sparbuch
Für Geld, das du in überschaubarer Zeit wieder brauchst, etwa für den nächsten Fahrradkauf oder eine Klassenfahrt, sind sichere und flexible Konten die richtige Wahl. Ein Tagesgeldkonto bringt bei guten Angeboten zeitweise um die vier Prozent Zinsen (Stand: Juni 2026), du kommst jederzeit ans Geld und das Risiko ist durch die EU-Einlagensicherung gering. Festgeld liegt je nach Anbieter und Laufzeit etwas darunter oder darüber, dafür legst du dich für eine feste Laufzeit fest. Die Zinsen ändern sich laufend, vergleiche vor Abschluss aktuelle Angebote.
Das klassische Sparbuch dagegen lohnt sich kaum noch. Finanztip beziffert die Zinsen vieler Banken auf gerade einmal 0,001 bis 0,5 Prozent. Dein Erspartes verliert durch die Inflation über die Jahre real an Wert, statt zu wachsen. Als emotionales Geschenk von Oma mag es schön sein, als ernsthafte Anlage taugt es nicht.
Sichere Konten sind kein Fehler, im Gegenteil. Sie sind die richtige Heimat für kurzfristige Ziele und für den Notgroschen. Nur als alleinige Strategie über 15 oder 18 Jahre verschenkst du damit viel Rendite.
| Sparform | Zinsen (Stand: Juni 2026, schwankend) | Verfügbarkeit | Passt für |
|---|---|---|---|
| Tagesgeld | rund 4 % | täglich | kurzfristige Ziele, Notgroschen |
| Festgeld | bis ca. 3,25 % | feste Laufzeit | mittelfristig, fester Termin |
| Sparbuch | 0,001 bis 0,5 % | begrenzt | kaum noch sinnvoll |
| ETF-Sparplan | ca. 6 % langfristig* | jederzeit verkaufbar | langfristig ab 10 Jahren |
Der ETF-Sparplan im Juniordepot
Wenn du wirklich langfristig sparst, über zehn Jahre und mehr, führt an einem breit gestreuten Aktien-ETF kaum ein Weg vorbei. Finanztip und die Verbraucherzentrale nennen den weltweiten ETF-Sparplan die erste Wahl für lange Zeiträume, weil er kostengünstig ist und das Risiko über tausende Unternehmen streut. Empfohlen werden Indizes wie der MSCI All Country World oder der FTSE All-World.
Dafür eröffnest du ein Juniordepot, also ein Wertpapierdepot, das auf den Namen deines Kindes läuft. Der Clou: Auf das dazugehörige Verrechnungskonto können auch Großeltern, Paten oder andere überweisen, sodass Geldgeschenke direkt in den Sparplan fließen statt im Sparschwein zu verstauben. Finanztip rechnet hier langfristig mit etwa sechs Prozent durchschnittlicher Rendite pro Jahr.
Wichtig ist die richtige Erwartung: ETF-Kurse schwanken. In schlechten Jahren steht das Depot zeitweise im Minus. Deshalb gilt die Faustregel, mindestens zehn Jahre Zeit mitzubringen, damit sich Schwankungen ausgleichen können. Für Geld, das dein Kind in zwei Jahren braucht, ist der ETF nicht gedacht.
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Steuern und Freibeträge clever nutzen
Hier liegt ein echter Vorteil, den viele Eltern nicht kennen: Dein Kind hat eigene Steuerfreibeträge. Jedes Kind verfügt über einen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr, der nicht mit dem der Eltern verrechnet wird. Bis zu dieser Grenze bleiben Zinsen, Dividenden und Kursgewinne steuerfrei, wenn du bei der Bank einen Freistellungsauftrag stellst.
Läuft das Depot auf den Namen des Kindes, kommt der Grundfreibetrag dazu, der seit Januar 2026 bei 12.348 Euro liegt. Über eine Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt lässt sich so ein beträchtlicher Rahmen an Kapitalerträgen steuerfrei stellen. Das lohnt sich vor allem, wenn das Kind sonst kein Einkommen hat.
Ein Punkt, den die Verbraucherzentrale betont: Hohe Kapitalerträge auf den Namen des Kindes können die beitragsfreie Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse gefährden. Maßgeblich ist dabei das regelmäßige Einkommen, nicht der reine Depotwert. Bei größeren Summen lohnt ein Blick auf die jeweils geltenden Grenzen oder ein kurzes Gespräch mit der Krankenkasse.
Wem gehört das Geld? Was du rechtlich wissen solltest
Sparst du auf den Namen deines Kindes, solltest du eines klar wissen: Dieses Geld gehört rechtlich dem Kind, nicht dir. Du verwaltest es nur treuhänderisch bis zur Volljährigkeit. Mit 18 kann dein Kind frei darüber verfügen, ob für die Ausbildung oder für etwas, das du dir vielleicht nicht gewünscht hättest. Für viele Familien ist das in Ordnung, du solltest es aber bewusst entscheiden.
Eltern dürfen das Vermögen ihrer Kinder außerdem nicht einfach für eigene Zwecke ausgeben, darauf weist die Stiftung Warentest hin. Zurückfordern lässt sich geschenktes Geld nur in einem Extremfall: bei eigener Verarmung nach Paragraf 528 BGB, wenn du deinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten kannst. Das greift nur bei echter Not, nicht bei einem vorübergehenden Engpass.
Wer mehr Kontrolle behalten möchte, kann alternativ auf den eigenen Namen sparen und das Geld später übertragen. Dann verschenkst du zwar den Steuervorteil des Kindes, bleibst aber flexibel. Großeltern können ihren Enkeln übrigens alle zehn Jahre bis zu 200.000 Euro schenkungssteuerfrei zuwenden.
Diese Produkte kannst du dir sparen
Beim Sparen fürs Kind werden gern teure Produkte verkauft, die mehr dem Verkäufer als deinem Kind nutzen. Die Verbraucherzentrale rät klar von Ausbildungsversicherungen ab. Sie mischen eine Todesfallabsicherung mit einer Geldanlage, sind unflexibel und fressen durch hohe Abschluss- und Verwaltungskosten einen guten Teil der Rendite auf.
Auch Bausparverträge lohnen sich derzeit kaum: niedrige Guthabenzinsen, eine Abschlussgebühr von rund einem Prozent und wenig Passgenauigkeit fürs langfristige Sparen. Von Goldsparplänen rät die Verbraucherzentrale ebenfalls ab, weil Gold stark schwankt und weder Zinsen noch Dividenden abwirft.
Wie teuer Kosten wirklich sind, zeigt eine Rechnung der Verbraucherzentrale: Bei 100 Euro monatlich über 40 Jahre kommst du mit einem günstigen ETF auf rund 96.499 Euro, mit einem teuren Versicherungs- oder Fondsprodukt nur auf rund 52.571 Euro. Über 43.000 Euro Unterschied, allein durch Gebühren. Günstig schlägt teuer fast immer.
Wann du dir Rat holen solltest
Dieser Ratgeber gibt dir Orientierung, ersetzt aber keine individuelle Finanz- oder Steuerberatung. In manchen Situationen lohnt sich eine neutrale Anlaufstelle:
- Bei größeren Summen oder Erbschaften aufs Kind, wenn Steuerfreibeträge und Krankenversicherung zusammenspielen, hilft die Verbraucherzentrale oder ein Steuerberater.
- Wenn dir jemand eine Ausbildungs- oder Rentenversicherung fürs Kind verkaufen will, lass dich vorher unabhängig beraten, etwa bei der Verbraucherzentrale.
- Bei Fragen zur Nichtveranlagungsbescheinigung oder Günstigerprüfung gibt dein zuständiges Finanzamt verbindlich Auskunft.
- Zu Kindergeld und Familienleistungen ist die Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit die richtige Adresse.
Wichtig: Eine ehrliche Beratung verkauft dir nicht sofort ein Produkt, sondern fragt zuerst nach deinem Ziel und deinem Zeithorizont.
Häufige Fragen zu Sparen fürs Kind
Es gibt keine feste Pflichtsumme. Schon 25 bis 50 Euro im Monat sind ein sinnvoller Start, weil über viele Jahre vor allem die Zeit und der Zinseszins wirken. Finanztip zeigt: 150 Euro monatlich über 18 Jahre können in einem weltweiten Aktien-ETF auf rund 57.420 Euro anwachsen. Wichtiger als die Höhe ist, dass du regelmäßig sparst und früh anfängst. Pass die Rate ruhig an dein Budget an und erhöhe sie später, wenn mehr drin ist.
Beides hat seinen Platz, je nach Zeithorizont. Für Geld, das in den nächsten Monaten oder wenigen Jahren gebraucht wird, eignet sich ein Tagesgeldkonto, bei guten Angeboten zeitweise um die vier Prozent (Stand: Juni 2026), weil es sicher und flexibel ist. Die Zinsen schwanken, vergleiche vor Abschluss aktuelle Konditionen. Fürs lange Sparen über zehn Jahre und mehr empfehlen Finanztip und die Verbraucherzentrale einen weltweiten ETF-Sparplan mit langfristig etwa sechs Prozent Rendite. Viele Familien kombinieren beides: Tagesgeld für kurzfristige Ziele, ETF für die ferne Zukunft.
Läuft das Konto auf den Namen des Kindes, nutzt du dessen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro und den Grundfreibetrag, das spart Steuern. Allerdings gehört das Geld dann rechtlich dem Kind und steht ihm ab 18 frei zur Verfügung. Möchtest du die Kontrolle behalten, kannst du auf deinen eigenen Namen sparen und später übertragen, verzichtest dann aber auf den Steuervorteil. Beide Wege sind legitim, du solltest die Entscheidung nur bewusst treffen.
In der Regel nicht. Jedes Kind hat einen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr, bis zu dem Zinsen, Dividenden und Kursgewinne steuerfrei bleiben. Dafür stellst du bei der Bank einen Freistellungsauftrag. Läuft das Depot auf den Namen des Kindes, kommt der Grundfreibetrag von 12.348 Euro hinzu, der sich über eine Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt nutzen lässt. So bleibt bei den meisten Familien sehr viel Spielraum steuerfrei.
Die Verbraucherzentrale rät davon ab. Ausbildungsversicherungen mischen eine Todesfallabsicherung mit einer Geldanlage, sind unflexibel und haben hohe Abschluss- und Verwaltungskosten, die einen großen Teil der Rendite auffressen. Wer langfristig fürs Kind Vermögen aufbauen möchte, fährt mit einem günstigen ETF-Sparplan deutlich besser. Brauchst du eine Absicherung für den Todesfall, regelst du das separat über eine reine Risikolebensversicherung statt über ein teures Kombiprodukt.
Seit Januar 2026 beträgt das Kindergeld laut Bundesagentur für Arbeit 259 Euro pro Kind und Monat, vier Euro mehr als die 255 Euro im Jahr 2025. Ausgezahlt wird es von der Familienkasse, einen neuen Antrag für die Erhöhung brauchst du nicht. Wer das Kindergeld ganz oder teilweise spart, kann damit einen großen Teil des Vermögensaufbaus fürs Kind finanzieren, ohne das eigene Budget zusätzlich zu belasten.
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Quellen
- Finanztip, Geldanlage für Kinder: Tipps zum langfristigen Sparen
- Verbraucherzentrale, Sinnvoll für Kinder und Enkelkinder sparen
- Stiftung Warentest, Sparen für Kinder: Richtig anlegen mit ETF
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